Kastration bei Hunden

Veröffentlicht von Dieter Dust (dust) am 13.12.2010
rund um's Haustier >> TIPPS

 

Vor allem bei Hundebesitzern ranken sich Ängste und Sorgen um die Kastration.

Was bei Katzen fast schon selbstverständlich ist, sorgt bei Hunden für viel Unsicher-

heit. Dabei spielt die Vermeidung unerwünschter Nachkommen bei der Kastration von

Hunden nur eine untergeordnete Rolle. Wer einen Hund kastriert, hat zumeist

medizinische Gründe dafür oder möchte seinen Vierbeiner in seinem scheinbaren

Fehlverhalten maßgeblichbeeinflussen. So wird einem Rüden gerne die "Männlichkeit"

genommen, wenn er nicht so spurt, wie es seine Besitzer gerne hätten. Kritiker

führen in ihren Argumenten an, dass der Hund nach einer Kastration nicht mehr

sein natürliches, angeborenes Verhalten an den Tag legt. Schließlich wurde er ja

um seine ausgeprägte Persönlichkeit gebracht. Hinzu kämen körperliche

Gebrechlichkeiten. Ein kastrierter Hund werde eher fett und träge

als fit und ausgelassen.

 

Besitzer von Hundedamen....

 

werden sich im Vorfeld oft nicht bewusst, dass die Tiere regelmäßig läufig werden.

Das wiederum kann die Inneneinrichtung beschmutzen. Von den zahlreichen

Begattungsversuchen streunender Rüden einmal abgesehen.

Aber sind das wirklich Gründe, einen Rüden oder eine Hündin zu kastrieren?

Vor einer solchen Maßnahme sollten sich Hundebesitzer auf jeden Fall eine zweite

oder besser noch eine dritte Meinung einholen und sich Rat beim Tierarzt

des Vertrauens holen.

 

Für eine Kastration bei Hündinnen....

 

sprechen gesundheitliche Gründe wie die eitrige Gebärmutterentzündung. Auch

eine sich ständig wiederholende, Probleme bereitende Scheinträchtigkeit spricht

für eine sinnvolle Indikation. In beiden Fällen quälen sich die Tiere. Sie zeigen ein

abnormales Verhaltensbild. Darüber hinaus bringt eine Entfernung von Eierstöcken

und Gebärmutter Hilfe und Erleichterung bei Tumoren, schweren Entzündungen,

Scheidenvorfall, Diabetes oder Unterfunktionen der Schilddrüse.

Tipp:

 

Kontrollieren sie regelmäßig das Gesäuge der Hündin. Eine Veränderung

muss sofort vom Tierarzt untersucht werden. Eine medizinische Indikation kann es

auch bei Rüden geben. Dabei stehen die tumoröse Entartung der Hoden oder der

Perianaldrüsen ganz oben auf der Liste. Aber auch zumeist gutartige Erkrankungen

der Prostata könne geheilt werden.

 

Tierschutzgesetz.

 

Legt man das deutsche Tierschutzgesetz zugrunde, ist eine Kastration nur mit

medizinischer Indikation erlaubt. Wer lediglich eine vereinfachte Haltung durch

eine kastrationsbedingte Persönlichkeitsänderung des Hundes erreichen möchte,

stößt bei verantwortungsbewußten Veterinären auf taube Ohren. Auch ein

kastrierter Rüde benötigt eine straffe Hand von Herrchen und Frauchen.

Ebenso fragwürdig ist es, eine Hündin aus hygienischen Gründen zu kastrieren.

Anders sieht es aus, wenn Rüde und Hündin in einem Haushalt leben. Tierärzte

stimmen einer Kastration zu, wenn es keine anderen Möglichkeiten der

unerwünschten Welpenverhütung gibt.

 

Chemische Kastration 

 

Wer sich trotz intensiver Gespräche mit dem Tierarzt weiterhin unsicher fühlt,

kann sich auch für eine chemische Kastration entscheiden. Durch die Gabe

von sogenannten Antiandrogenen entsteht innerhalb von etwa 3 Tagen

derselbe Effekt wie nach einem chirurgischen Eingriff. Durch die Depotinjektion

wird die Verhaltensänderung für 3 bis 4 Wochen beibehalten. In dieser Zeit

kann sich der Hundebesitzer entscheiden, ob eine konventionelle Kastration

sinnvoll ist.

 

Holger Bernert

(Heimtierjournal Heft 70 - Dezember 2010/Januar 2011)

 

Zuletzt geändert am: 20.03.2012

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